Gottes „Ja“ sichtbar gespürt

Erstes Taufest im Idsteiner Land / Familiefest an der Heuwiese

[Idsteiner Land; 21.08.2011; cw] Der 5-jährige Joshua schreit das „Ja“ voller Inbrunst und so, dass es alle hören können. Eben hat ihn Pfarrer Ingo Schütz gefragt, ob er im Namen Gottes getauft werden möchte. Nicht minder entschieden antworten Paten und Eltern auf die gleiche Frage. Eigentlich kein ungewöhnlicher Vorgang – nur dies-mal findet Taufe nicht in der Kirche statt, sondern auf einer Wiese in Idstein-Oberrod.

 

Um die 150 Menschen stehen um den Taufpavillon der Lukasgemeinde Glashütten-Oberrod. Den Kirchenturm in Blickweite werden an diesem Sonntag insgesamt 34 Menschen aus zehn verschiedenen Kirchengemeinden getauft. Babys, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene. Sie alle wollten die Möglichkeit nutzen, beim ersten Tauffest im Idsteiner Land dabei zu sein. Gottes „Ja“ zu spüren und gleichzeitig öf-fentlich auch „Ja“ zu ihm zu sagen. Auf der großen Heuwiese am Dattenbach stehen fünf festlich geschmückte Pavillons. Ein Kreuz, ein kleiner Altar, Sonnenblumen, die Osterkerze.

 

Djamila aus Heftrich zündet gerade freudestrahlend ihre Taufkerze an der Osterkerze an. Pfarrer Markus Eisele hat die Osterkerze extra aus der Kirche mitgebracht. Wie auch die Pfarrerinnen Gabriele Scheid (Strinz-Trinitatis, Limbach-Wallbach), Miriam Lehmann (Steinfischbach-Reichenbach) und Pfarrer Michael Koch (Niederseelbach-Dasbach). Alle taufen sie an diesem Tag zum ersten Mal im Freien.

 

Zuvor hatten die gut 400 Taufgäste im Dorfgemeinschaftshaus gemeinsam Gottes-dienst gefeiert. Der ursprüngliche Plan auch den Gottesdienst draußen zu feiern, musste wegen des Regens aufgegeben werden. Doch mitten im Gottesdienst hatte man den Eindruck, dass die Festgemeinde „die Sonne regelrecht herbei gesungen hatte“, sagte Günther Wiegand von der Band „Zeitfarben“, die den Gottesdienst be-gleitete. Beim Kanon „Wo die Liebe wohnt, blüht das Leben auf“, brach die Sonne durch die bis dahin grauen Wolken und blieb bis zum Schluss. Fünf Bilder von fünf Menschen in ganz verschiedenen Lebenssituationen stellten die Pfarrer im Gottesdienst vor. Ein kleiner Junge, die 50-jährige Ulrike, der 20 -jährige Sven. Alle mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, alle mit ihren Fehlern, Stärken und Schwächen. Egal wie das Leben aussieht, aus Gottes Sicht, sind sie alle seine geliebten Kinder, so die Botschaft. Zum Zeichen dafür sprüht Marco Scheurer mit Goldfarbe einen goldenen Rahmen um das Bild, die Zusage Gottes an uns, die deutlich wird in der Taufe , der uns umfasst und in dem wir jederzeit geliebt und Gottes Kind sind.

 

Nach dem Gottesdienst ziehen die Familien aufgeregt und fröhlich zu den Tauforten der Kirchengemeinden und feiern dort gemeinsam die Taufe. Darunter sind Men-schen, die den Zeitpunkt für die Taufe „irgendwie verpasst haben“ und Menschen, die sich gesagt haben, wenn die Tochter getauft wird, dann wolle man das jetzt auch. Oder es sind Familien, die bislang einfach nicht wussten, wie sie die Taufe am bes-ten feiern sollten. Beim Tauffest ist das alles ganz unkompliziert. Jede Familie trägt etwas zum gemeinsamen Buffet bei, und am Ende steht eine riesige Tafel mit Köst-lichkeiten bereit. Der Großvater der kleinen Emily sagte im Vorbeigehen „siehst Du, all diese Leute hätten wir doch gar nicht in eine Gaststätte bekommen!“ Und eine große Schwester meint etwas neidisch, „so eine Taufe hätte ich auch gerne gehabt!“ Nach den Taufen werden Picknickdecken geholt, Klappstühle aufgeschlagen. Sekt-korken knallen. Menschen lassen sich glücklich und zufrieden auf der Wiese nieder. Es herrscht ein ausgelassene und feierliche Stimmung. Kinder rennen hin und her, lassen sich schminken oder basteln Perlenarmbänder.

 

Dekanatsjugendreferent Paul-Martin Schenk hat für die Kinder und Jugendlichen mit seinen Trainees allerhand vorbereitet. Und nachdem die Sonne heraus gekommen ist, wird sein Angebot nach einer Wasserschlacht liebend gerne angenommen. „Toll, was es hier alles gibt“, lobt ein Vater und schickt seine Jungs zum Bach.

 

Am Ende des Tages bleiben viele zufriedene Menschen, denen abzuspüren ist, dass die Taufe mehr ist als nur ein schönes Fest. Etliche bleiben noch lange nach dem offiziellen Schluss beisammen und lassen den Tauftag ausklingen.

 

Das war der Tag - Bilder vom Tauffest