Hexenverfolgung in Idstein und Heftrich

Martin Luthers Hexenpredigten aufgelegt

Erstmalig hat Hartmut Hegeler zum Reformationsjubiläum ein Lesebuch zu Predigten, Vorlesungen, Tischreden von Martin Luther zum Thema Hexen aufgelegt.

 

Hartmut Hegeler, Randi Bornemann, Markus Eisele, Dr. Karl-Christoph Flick, Dr. Nicole Friedersdorf, Herbert Horak, Traudl Kleefeld, Dr. Matthias Laarmann, Claus-Dieter Reinhardt, Burghard Schmanck, Otto Sigg, Ursula Vaupel, Hans Martin Wirth, Dr. Peter Morton und anderen.

 

 

Von Luther sind mehr als 30 Hexenpredigten überliefert. Martin Luther glaubte an die Existenz von Hexen und forderte entschieden deren Verfolgung und Hinrichtung, wenn auch mit Einschränkungen. Z.B. hatte Luther Zweifel an einer Unzucht mit dem Teufel oder eines

Fluges zum Hexensabbat. Die Sünde der Zauberei, d.h. sich auf Hexerei einzulassen, hielt er hauptsächlich als Verstoß gegen das 1. Gebot. Die Aussage des Alten Testament ́Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen` (2. Mose 22, 17) hatte für ihn Gültigkeit. 1526  hielt Luther eine eindeutige Hexenpredigt über diesen Bibeltext.

 

Aussagen von Luther und Calvin über Hexerei bzw. Zauberei finden sich bis heute im Kleinen Katechismus von Luther (Erklärung zu den Zehn Geboten, Das zweite Gebot) und im reformierten Heidelberger Katechismus. Die weltliche Obrigkeit wurde von Luther ausdrücklich dazu aufgefordert, die angeblichen Hexen schärfer zu bestrafen. Regierende in lutherischen Fürstentümern und Städten, Juristen und Theologen sind ihm darin gefolgt. In der Folge führten viele Fürsten, Territorien und Städte umfangreiche Hexenverfolgungen durch (auch in Reichsabteien wie dem Kloster Loccum). Vielerorts brachten Theologen durch ihre Argumentation Hexenverfolgungen in Gang. In Hexenpredigten schürten sie die Hexenangst und riefen zur Verfolgung von Hexen auf. Von einer alleinigen Verantwortung der Kirchen für Entstehung und Durchführung der Hexenprozesse kann nicht gesprochen werden, doch durch ihre Verkündigung trugen die Kirchen Mitverantwortung für die Entstehung und Beförderung der Hexenverfolgung. Viele Menschen heutzutage sind schockiert, wenn sie von Luthers Predigten zur Hexenverfolgung lesen, und können nicht mehr nachvollziehen, dass im Namen des Evangeliums unendliches Leid über viele Unschuldige und ihre Familien gebracht worden ist. Luthers Haltung zu Hexenverbrennungen wird heute zu Recht als Belege einer todbringenden Intoleranz und als dunkle Schatten der Reformation erkannt (so Dr. h.c. Nikolaus 

Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD, in: "Reformation und Toleranz")

 

Luther forderte nicht nur die Tötung der Hexen, sondern auch mehrfach deren Folter und Feuertod, und das nicht nur für Schadenszauber, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Teufel haben, ohne jeglichen Schaden anzurichten. Haustein erwähnt „die enorme Vergrößerung des Kreises der potentiellen Angeklagten durch die Kriminalisierung des Aberglaubens“, was „ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu den epidemischen Hexenverfolgungen der kommenden Jahrzehnte“ gewesen sei. (Jörg Haustein: Martin Luthers Stellung zum Zauber- und Hexenwesen, Dissertation, 1990, S. 12)

Zum Download: Lesebuch zu Predigten, Vorlesungen, Tischreden von Martin Luther zum Thema Hexen

Luthers Hexenpredigten. Lesebuch zu Predigten, Vorlesungen, Tischreden von Martin Luther zu Hexenverfolgung, Zauberei, Teufel. Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017 238 Seiten, PDF-Datei, 8,4 MB
zusammengestellt Hartmut Hegeler, Randi Bornemann, Markus Eisele, Dr. Karl-Christoph Flick, Dr. Nicole Friedersdorf, Herbert Horak, Traudl Kleefeld, Dr. Matthias Laarmann, Claus-Dieter Reinhardt, Burghard Schmanck, Otto Sigg, Ursula Vaupel, Hans Martin Wirth, Dr. Peter Morton und anderen.
Lesebuch Hexen-Predigten Martin Luther.p
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Dokumentation zum Hexenprozess in Wittenberg 1540
1540 Hexenprozess in Wittenberg 27.9.201
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1000 Unterzeichner fordern Gedenkgottesdienst für Opfer der Hexenprozesse

Pfarrer Markus Eisele unterzeichnet Aufruf

Die Gedenktafel am Pfarrhaus Heftrich
Die Gedenktafel am Pfarrhaus Heftrich

[Idsteiner Land; 8.9.2015; cw] Pfarrer Markus Eisele (Heftrich/Bermbach) hat jüngst zusammen mit Dekanin Birgit Hamrich und Pfarrer Michael Koch (Niederseelbach) an einer Idsteiner Gedenkveranstaltung für die Opfer der Hexenverfolgung in der Region teilgenommen. „Das ist immer noch ein aktuelles Thema, denn bis heute sind Verfolgung, Folter und tausendfacher Tod nicht überwunden“, so Markus Eisele.

 

Jetzt gehört er – auch im Namen des Dekanats Idstein - zu den mehr 1000 Menschen, die die Evangelische Kirche in Deutschland bitten, alle Opfer der Hexenprozesse zu rehabilitieren. Sie fordern, dass im Rahmen des Reformationsjubiläums im Jahr 2017 dazu ein Gedenkgottesdienst veranstaltet werden soll. Denn die „dunklen Seite von Martin Luther dürfe nicht verschwiegen werden“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Lange hat die die Kirche zu ihrer Mitverantwortung der Hexenverfolgung geschwiegen und viele seien schockiert, wenn sie Luthers Hexenpredigten lesen.

„Als einer der Unterzeichner ist es mir sehr wichtig, dass im Zuge der Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum die Evangelische Kirche ein klares Bekenntnis zur Schuld in ihrer Geschichte ausspricht. Bis heute ist das Versagen der Kirche gerade mit Blick auf die Hexenprozesse ein schwerwiegendes Glaubenshindernis“, so Eisele. Bereits der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hatte Luthers Haltung zur Hexenverfolgung als „Beleg einer todbringenden Intoleranz und dunklen Schatten der Reformation“ erkannt.

 

An vielen Stellen in Deutschland fehlt jedoch eine Aufarbeitung der Prozesse, unter denen vor allem Frauen leiden mussten. Der Wunsch der Unterzeichner ist nun, „dass am 500. Jahrestag der Reformation in einem Gedenkgottesdienst die geistliche Verdammung aller Opfer widerrufen wird um ihre Christenehre wiederherzustellen.“

Gedenkveranstaltung an den Idsteiner Hexenwahn

Vor der Gedenktafel (rechts an der Mauer) werden die Namen der im Hexenwahn in Idstein Getöteten verlesen. Foto: Stefan Gärth
Vor der Gedenktafel (rechts an der Mauer) werden die Namen der im Hexenwahn in Idstein Getöteten verlesen. Foto: Stefan Gärth

Von Volker Stavenow

IDSTEIN - „Wir wollen die Ausgegrenzten aus dem Dunkel der Vergessenheit zurückholen, ihnen ihre Würde und Christenehre wiedergeben. Diese Männer, Frauen und Kinder waren und sind unsere Schwestern und Brüder im Glauben. Ihre Namen wurden mit Füßen getreten, ihre Körper geschunden, ihre Leiber verbrannt, ihre Asche in alle Winde verstreut. Wir heben ihr Andenken aus der Asche auf.“

Pfarrer Michael Koch steht unter der Tafel, auf der alle Opfer der Hexenverfolgung in Idstein im 17. Jahrhundert aufgelistet, auf der symbolisch brennende Köpfe in Flammen zu sehen sind, und spricht diese ernsten Worte. Er ist zum Gedenken an die hingerichteten 35 Frauen und acht Männer nicht alleine gekommen: Vielen Idsteinern und Menschen aus umliegenden Gemeinden ist es an diesem Samstagmorgen sehr wichtig, bei dieser Erinnerung an Unrecht, Schmerz und Tod Unschuldiger dabei zu sein. Nachdem die Idsteiner Politik bereits im vergangenen Jahr durch einen förmlichen Beschluss die Rehabilitation der zwischen 1676 und 1677 zu Tode gebrachten Menschen beschlossen hat, schloss sich der Kreis mit dieser Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Auf den Spuren der Opfer“.

Aktuelles Thema

„Das Leid der so vielen Opfer schreit bis heute zu uns. Wir haben von dem Unrecht, dem Schmerz und der Willkür erfahren und es hat uns tief bewegt. Ein aktuelles Thema, denn bis heute sind Verfolgung, Folter und tausendfacher Tod nicht überwunden“, sagt Pfarrer Markus Eisele. Von seiner Kirchengemeinde Heftrich und Bermbach geht diese Initiative des Gedenkens und der Aufarbeitung der dunklen Idsteiner Seite der Geschichte aus. „Die Hexenverfolgung geht nicht allein zulasten der Kirchen, aber die maßgebliche Beteiligung der Kirchen ist nicht zu leugnen. Zu dieser Verantwortung der Kirche bekennen wir uns. Wir sind erschrocken über die Rolle, die die Kirchen, auch die Kirchen der Reformation, gespielt haben. Nur wenige haben ihre Stimme erhoben“, mahnt sein Kollege Michael Koch. „In der Rückschau erfüllt uns das Versagen so vieler Menschen mit Scham. Wir beklagen das unendliche Leid, das Frauen, Männer und Kinder erlitten haben. Und wir wollen heute allen Hexerei-Anklagen der damaligen Zeit widersprechen“, ergänzt Markus Eisele.

„Es geht um Rückbesinnung auf geschehenes Unrecht, die Vergegenwärtigung menschlicher Not und damit auch um die Stärkung von Recht, Solidarität und Menschlichkeit in unserer heutigen Zeit. Die Stadt Idstein folgt damit dem Beispiel anderer Städte, die ein solches öffentliches Gedenken und die Rehabilitation der Opfer als ein eindeutiges Bekenntnis zur Unschuld der Opfer der Hexenverfolgung ablegen“, sagt Idsteins Bürgermeister Christian Herfurth. Sechs Schüler der Klasse 8d des Pestalozzi-Gymnasiums verlesen abwechselnd die Namen der Opfer und die Hornistinnen Minoa Sokoli und Alicia Keller aus der Musikschule Idstein sorgen für feierliche Klänge.

Fachkundige Führung

Danach teilt sich die Menge in zwei Gruppen und begibt sich unter fachkundiger Anleitung von Stadtarchivarin Claudia Niemann und Heimatgeschichtsforscher Andreas Schmitt auf eine Wanderung auf den Spuren der Opfer. Es geht vom Hexenturm über Schulgasse, König-Adolf-Platz, Obergasse hinaus aus Idstein in Richtung „Galgenberg“ (dem ehemaligen Hinrichtungsort) und in den Wald hinein zum heute verlassenen, nicht mehr erkennbaren Friedhof Wolfsbachtal. An allen Stationen erfahren die Mitwanderer, wie Hexenprozesse abliefen, wo den Menschen der öffentliche Prozess gemacht, wo sie hingerichtet und letztendlich verscharrt wurden. Aus Gerichtsakten wissen die Historiker heute, wie die Idsteiner Hexenprozesse abliefen. Anhand von Papieren über die hingerichteten Menschen werden die damaligen Abläufe deutlich – und den Wanderern vor das geistige Auge geführt.

Der feierliche Abschluss erfolgt auf dem Areal des dort vermuteten ehemaligen Friedhofs (gegenüber der heutigen Grillhütte Badeweiher): Dekanin Birgit Hamrich sowie die beiden Pfarrer Markus Eisele und Michael Koch legen sichtlich bewegt einen Blumenstrauß auf die heutige Wiese, zünden eine Friedhofskerze für die Opfer an und beten gemeinsam mit den anderen Teilnehmern das Vaterunser. „Wir gedenken der Opfer jeglicher Gewalt und erinnern an Gottes umfassende Liebe zu allen Menschen. Deswegen rufen wir zu Nächstenliebe, Solidarität, Toleranz, gewaltfreier Gemeinschaft und Völkerverständigung auf“, gibt Dekanin Birgit Hamrich allen mit auf den Weg.


Quelle: Idsteiner Zeitung vom 1. Juni 2015

Bei dem rund 42 Meter hohen Hexenturm, dem Wahrzeichen der Stadt Idstein, handelt es sich um den baulich mehrfach veränderten, als Butterfassturm ausgeführten Bergfried der Burg Idstein. Aufgrund seiner exponierten Lage und seiner Höhe prägt er das Idsteiner Stadtbild.

In älteren Dokumenten wird der Hexenturm mit anderen Bezeichnungen betitelt, so zum Beispiel Schloßturm, dicker Turm, hoher Turm, Uhrturm oder auch Bergfried. Der Name Hexenturm setzt sich erst seit ungefähr 1900/1910 aufgrund der Verbreitung der Lektüre von Ottokar Schupps (1834–1911) „Die Pfarrfrau von Heftrich“ durch. In seiner Geschichte beschreibt Schupp, wie sich die der Hexerei bezichtigte Frau des Heftricher Pfarrers vom offenen Fenster ihres Gefängnisses im Hexenthurm nachts mit ihrem Mann bespricht. Beschrieben wird hier eindeutig der Bergfried. Nach der jüngeren Forschung lassen sich keine Belege dafür finden, dass jemals der Hexerei bezichtigte Personen im Hexenturm inhaftiert waren. Unter dieser Annahme fanden dort auch keine mit den Hexenprozessen verbundenen Folterungen statt.

„IdsteinGedenktafel“ von Mussklprozz - Selbst fotografiert. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:IdsteinGedenktafel.jpg#mediaviewer/File:IdsteinGedenktafel.jpg
Foto der Idsteiner Gedenktafel (Fotograf: Mussklprozz/wikipedia)

In Idstein befasste sich 1996 der Magistrat mit dem Antrag, eine Gedenktafel am Hexenturm anzubringen, die am 22. November 1996 im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes eingeweiht wurde. Die Initiatorin Ute Samson berichtete am Einweihungstag im Rundfunk hr1 in der Sendung "Unterwegs in Hessen" über das Idsteiner Projekt, "um den Menschen von 1676 einen kleinen Teil ihrer damals genommenen Würde zurückzugeben".  Frau Müller-Hesse vom katholischen Bildungswerk sagte: "Wir sind es den Opfern schuldig, nicht zu schweigen. Es ist ihre Rehabilitation." Es kamen etliche Briefe von Nachkommen derjenigen, die vor 350 Jahren als angebliche "Hexen" hingerichtet worden waren und die ihren Dank aussprachen, dass jetzt endlich die Schande von dem Namen ihrer Urahnin genommen worden sei. "Mit dieser Gedenktafel bekennt sich Idstein zu diesem dunklen Teil seiner Vergangenheit und mahnt zugleich, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholen dürfen, denn Diskriminierung und Unterdrückung sind auch heute noch allgegenwärtig."

Idsteiner Parlament rehabilitiert Idsteiner Opfer des Hexenwahns

Aus der Idsteiner Zeitung vom 8.11.2014:


Ingrid Nicolai berichtet: "Dass so viele Bürger zur Sitzung des Stadtparlaments gekommen waren, lag an einem Dringlichkeitsantrag, der von allen Fraktionen unterstützt und ohne Diskussion verabschiedet wurde.Einmütig wurde die moralische und sozialethische Rehabilitierung der über 40 Opfer von Hexenverfolgungen im Bereich der Stadt Idstein vor allem in den Jahren 1676 und 1677 beschlossen, die unrechtmäßig ausgeübte Gewalt verurteilt. Stadtverordneter Hans-Egon Baasch verlas alle Namen – und es wurde sehr still im Saal. Bei den Initiatoren der Kirchengemeinde Heftrich, die das Thema sehr engagiert aufarbeiten, saßen neben Pfarrer Markus Eisele und Ute Samson, der ersten Initiatorin, auch Nachfahren der Opfer. Eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Hexenverfolgungen in der Schlossgasse soll demnächst durchgeführt werden."

Evangelische Sonntagszeitung berichtet: Das Unrecht der Scheiterhaufen

Eine Gemeinde arbeitet Geschichte auf und erreicht die Rehabilitierung der Opfer von Hexenverfolgung • Von Nils Sandrisser
IDSTEIN-HEFTRICH. Die Kirchengemeinde Heftrich hat ihre düstere Geschichte aufgearbeitet.
Gemeindemitglieder und andere Interessierte haben zu den Idsteiner Hexenprozessen nachgeforscht. Ihre Ergebnisse haben sogar politische Folgen.

Artikel der Evangelischen Sonntagszeitung (Nr. 46-2014)
ESZ-Ausgabe_46_S00009.pdf
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Pfingstgottesdienst 2014 in Heftrich: Gedenken an Opfer der Hexenprozesse

Seit dem Jahr 2011 hat sich unsere Kirchengemeinde mit dem Thema der Hexenprozesse im Idsteiner Land auseinandergesetzt. Dazu hatten wir eine Reihe von Referentinnen und Referenten bei uns. Die Resonanz auf diese Veranstaltungsreihe hat uns sehr erfreut.  Ende Mai hat unser Kirchenvorstand nun beschlossen, eine Gedenktafel am Pfarrhaus in Heftrich zu anzubringen.

 

Damit wollen wir an diesem Ort an das Schicksal der Opfer der Hexenprozesse zu erinnern. Die Geschichte der Pfarrfrau von Heftrich, Cäcilie Zeitlose Wicht, die am 22. März 1676 am Ende eines Hexenprozesses in Idstein hingerichtet wurde, ist tief im Wissen der Heftricher Bevölkerung verankert. Ihr und den insgesamt 43 Menschen, die zu Opfer der Verfolgung in Idstein wurden, wollen wir damit ein Denkmal setzen, die Schuld der Kirche bekennen und unsere Verantwortung für die Zukunft erklären.
 

Im Pfingstgottesdienst, 8. Juni 2014, wurde in der Heftricher Pfarrkirche der Opfer der Prozesse gedacht. Im Anschluss wurde die Gedenktafel am Pfarrhaus in Heftrich enthüllt.

Zum Gedenken an die Opfer der Idsteiner Hexenprozesse

 

Nach Folter und erpressten Geständnissen wurde die „Pfarrfrau von Heftrich“ Cäcilie Zeitlose Wicht (*1626) nach einem Hexenprozess am 22. März 1676 in Idstein enthauptet. Weitere Opfer aus Heftrich waren Anna Magdalene Schneider, Anna Margaretha Fey, Margarethe Wirth (Andrae), Maria Wex und Margarethe Hartmann. Während der Idsteiner Hexenprozesse (1676-1677) wurden 31 Frauen und 8 Männer hingerichtet und 4 Frauen des Landes verwiesen.

 

Als Kirchengemeinde bekennen wir die Schuld, die die evangelische Kirche während der Hexenprozesse auf sich lud. Nur wenige hatten den Mut, für die Menschenwürde und das Leben der Opfer einzutreten. Wir gedenken der Opfer jeglicher Gewalt und erinnern an Gottes umfassende Liebe zu allen Menschen. Durch sie hat jeder Mensch eine unverlierbare Menschenwürde. Deswegen rufen wir zu Nächstenliebe, Solidarität, Toleranz, gewaltfreier Gemeinschaft und Völkerverständigung auf. Wir bekennen uns als Christinnen und Christen zu unserer Verantwortung für Gegenwart und Zukunft. Wir schulden Gott diesen Mut.

 

Herr, gib uns den Geist, dem Bösen zu widerstehen,

gib uns die Kraft, das Richtige zu tun.

Wir bitten Dich: Vergib uns unsere Schuld.

 

Pfingsten 2014, der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinden Heftrich und Bermbach

Ansprache bei der Enthüllung der Gedenktafel
Ansprache bei der Enthüllung der Gedenkt
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Liturgie Pfingsten 2014
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Bericht der Idsteiner Zeitung
In Heftrich wurde eine Gedenkplatte für
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Rehabilitation der Opfer der Hexenverfolgung

Der Referent: Hartmut Hegeler
Der Referent: Hartmut Hegeler

Einen Vortrag über die Opfer der Hexenverfolgung in Deutschland hielt im November Pfarrer Hartmut Hegeler, einer der am besten mit dem Thema "Hexenverfolgung" vertrauten und in TV, Radio und Print-Medien gefragten Experten. Als Mitinitiator von Rehabilitationsinitiativen hat er profunde Kenntnis der vielfältigen Rehabilitationsprozesse in Deutschland. Der Vortrag wird illustriert durch eine Multi-Media-Präsentation.

 

"In Zeiten großer Not und großer Katastrophen suchte man, heute wie damals, Sündenböcke", so Hegeler. Über den Zeitraum von 350 Jahren wurden Menschen beschuldigt, von Gott abgefallen zu sein und sich einer geheimen Vereinigung der Hexensekte angeschlossen zu haben. So war auch Idstein im 17. Jahrhundert Schauplatz der Hexenverfolgung des protestantischen Grafen Johann von Nassau und Idstein. Die Akten gewähren einen fast lückenlosen Einblick in diese Hexenprozesse, an denen auch Geistliche ihren Anteil hatten. Erst mit dem Tod des Grafen endete die Hexenverfolgung, der 39 Personen zum Opfer fielen. "Gegen die Hexenverfolgung erhoben sich immer wieder Stimmen von einzelnen Christen, oft unter dem Risiko selbst verfolgt zu werden", betont Hartmut Hegeler. So habe Anton Praetorius, fürstlicher Hofprediger in Hessen, darum gekämpft, eine Frau aus der Folterkammer in einem Hexenprozess zu befreien und später als erster protestantischer Geistlicher ein mutiges Buch gegen Folter und Hexenverfolgung geschrieben.

 

Bericht aus der Idsteiner Zeitung:

 

Pfarrer Hartmut Hegeler fordert in Heftrich eine Rehabilitierung der Opfer der Hexenverfolgung

10.11.2012 - HEFTRICH.

Von Beke Heeren-Pradt


Aufarbeitung der Hexenverfolgungen und Hexenprozesse - warum soll das in der Gegenwart des Jahres 2012 interessieren? Was hat das mit einer aufgeklärten modernen Gesellschaft zu Beginn des dritten Jahrtausends zu tun?

Diese Fragen mag sich der eine oder andere stellen, der davon liest, dass zum Beispiel in Idsteins Ortsteil Heftrich ein Vortrag gehalten wird über Hexenverfolgungen und über die Rehabilitation der Opfer dieser Verfolgungen und Prozesse.

Als dritte Veranstaltung in einer Reihe, die im vergangenen Jahr zu diesem Thema von der evangelischen Kirchengemeinde in Heftrich begonnen wurde, referierte der evangelische Pfarrer Hartmut Hegeler aus Unna, einer der wenigen Experten auf dem Gebiet der Hexenverfolgungen in Deutschland.

 

Er ist mittlerweile überregional bekannt durch seine Initiative, dass Städte, in denen im 16. und 17. Jahrhundert Hexenprozesse stattfanden, heute per Ratsbeschluss die Opfer von damals rehabilitieren sollen. Machtmissbrauch, Suche nach einem Sündenbock, Ablehnung Fremder, Mobbing und Pranger - all dies sind Motive, die zu Hexenverfolgungen in Deutschland zwischen 1500 und 1782 führten.

 

Kampf um Menschenrechte


"Alle diese Motive sind auch heute noch ebenso aktuell", sagt Hartmut Hegeler zu Beginn seines sehr engagiert vorgetragenen Referates in der Heftricher Kirche. Der Kampf um die Menschenrechte stehe sozusagen als Überschrift auch über den Hexenverfolgungen des 16. und 17. Jahrhunderts. Und deshalb sei die Beschäftigung mit diesem besonders dunklen Kapitel in der Geschichte des europäischen Christentums gleichwohl sehr aktuell.

 

"Sowohl katholische als auch evangelische Gegenden haben sich schuldig gemacht durch Hexenverfolgungen und es war die Entscheidung des jeweiligen Herrschers, ob es zu Hexenverfolgungen kam oder nicht. Alle gesellschaftlichen Kräfte der Zeit waren eingebunden und verantwortlich für die Verfolgungen."

 

Die weltlichen Gerichte hätten die Prozesse geführt und (Todes-) Urteile gefällt, die oftmals von Bürgern gefordert worden wären. Und den Herrschern seien die Hexen als Sündenböcke für Missstände und Katastrophen gerade recht gekommen.

Die sogenannte "Hexenbulle" von Papst Innozenz VIII. aus dem Jahre 1482 markiere den Startschuss der Verfolgungen, so der eloquente Vortragende. "Der Hexenhammer", ein 1486 erschienenes Buch, sei zum Leitfaden der Ausrottung der mit dem Teufel im Bunde stehenden "Hexensekte" geworden, die für alle Katastrophen, Hungersnöte, Epedemien verantwortlich gemacht wurde. "Arme Leute, Witwen, Zugezogene - das waren in der Mehrzahl die Opfer."

 

Auch Idstein hat ein dunkles Kapitel mit Hexenverfolgungen, die unter dem einflussreichen Grafen Johannes zwischen 1676 und 1677 stattfanden. Unter vielen anderen wurde auch die Heftricher Pfarrfrau Cäcilie Zeitlose Wicht Opfer - durch die durch Folter erzwungene Denunziation einer anderen Angeklagten. Und das war der "normale" Verlauf der Prozesse.

 

Aberwitzige Vorwürfe


Durch Folter seien vermeintliche "Komplizen" und Geständnisse erzwungen worden, die weitere Prozesse nach sich zogen und eine Hinrichtung möglich machten, erzählt Hartmut Hegeler und illustriert seinen Bericht mit den aberwitzigsten Vorwürfen, die in Prozess-Protokollen überliefert wurden.

 

"Es ist wichtig, öffentlich zu sagen: Diese Menschen sind unschuldig gestorben. Sie sind wegen Verbrechen verurteilt worden, die es nicht gibt", betont er. Die Gerichtsurteile aus dem 17. Jahrhundert hätten als solche heute noch Bestand. Deshalb gilt sein Engagement der offiziellen Rehabilitierung der Opfer.

Der mittlerweile pensionierte Pfarrer reist durch die Lande, hält Vorträge, erforscht vor Ort die bewahrten Quellen über die Hexenverfolgungen und formuliert sein Plädoyer. Längst nicht immer trifft er auf wohlwollende Resonanz und konstatiert, dass das Thema, obwohl schon weit über 300 Jahre alt, mitunter noch immer befremdliche Reaktionen zeitigt.

 

Die Millionenstadt Köln habe im vergangenen Jahr erst nach langer Diskussion im Stadtrat einstimmig für die Rehabilitierung der Opfer der Hexenverfolgungen abgestimmt, berichtet er von seinem größten Erfolg. "Idstein hat sich schon vergleichsweise früh, 1996, des Themas angenommen und mit einem offiziellen Akt die Gedenktafel am Hexenturm eingeweiht", lobt er.

 

Gleichwohl solle die Stadt auch noch eine von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedete Rehabilitierung beschließen, appelliert er an die Politik.

Der in der Kirche anwesende Stadtverordnete Peter Piaskowski beantwortet den Vorschlag gleich mit dem Hinweis, dass in Hessen jeder Bürger eine Eingabe machen könne, über die die Stadtverordnetenversammlung dann zu beschließen habe.

Sendung von DRadio Wissen

Rückwärts reitende Hexe auf einem Ziegenbock (Albrecht Dürer, Kupferstich, ca. 1500) (Kupferstich von Albrecht Dürer | Wikimedia | gemeinfrei)
Rückwärts reitende Hexe auf einem Ziegenbock (Albrecht Dürer, Kupferstich, ca. 1500) (Kupferstich von Albrecht Dürer | Wikimedia | gemeinfrei)

Nach 385 Jahren will die Stadt Köln die "Hexe" Katharina Henot rehabilitieren. Und nicht nur sie: alle Opfer der Hexenverfolgung in der Domstadt sollen späte Wiedergutmachung erfahren. Im Zuge der Hexenverfolgung starben im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit hierzulande rund 30.000 Menschen - meist Frauen.

 

Als Höhepunkt der Hexenverfolgung gilt die frühe Neuzeit ab Mitte des 15. Jahrhunderts. Neben inquisitorischen Dominikanern haben auch politische und juristische Institutionen Hexen und Ketzer verfolgt. Historiker gehen davon aus, dass 80 Prozent der Opfer Frauen waren.

Rehabilitierung von Hexen nach Jahrhunderten

 

Die Verfolgung von Hexen, Ketzern und Zauberern dauerte bis ins 18. Jahrhundert an. Und noch heute gibt es Widerstände gegen Versuche, das Ansehen vermeintlicher Hexen wiederherzustellen. In Köln hat am Montag (13.02.) ein Stadtausschuss die Hexenprozesse, die vor rund 400 Jahren stattfanden, offiziell verurteilt. Nun soll der Rat der Stadt auch die als Hexe verurteilte Kölnerin Katharina Henot rehabilitieren.

 

http://wissen.dradio.de/hexenverfolgung-runter-vom-besen.33.de.html?dram:article_id=15055

Vortrag "Hexenverfolgung - Mythos und Wirklichkeit"

Theresa Mohr, Heftricherin und Studentin der Geschichtswissenschaft in Zürich, hat am Donnerstag, 9. Februar, einen Vortrag über "Hexenverfolgung - Mythos und Wahrheit" halten. Darin hat sie die Grundzüge der europäischen Hexenverfolgung anhand von populären Vorurteilen und Falschaussagen erläutert.

 

Im vollbesetzten Heftricher Gemeindehaus wurde den Besucherinnen und Besuchern der Veranstaltung schnell klar, dass man selbst viele "Vor"-Urteile bezüglich der Verfolgung von Menschen in der Zeit der Hexenverfolgung hat. Weit verbreitet ist - so Theresa Mohr - die Meinung, die Hexenverfolgung sei vor allem von der Kirche ausgegangen, die Landesherren hätten die Verfolgung aus Macht- oder Wirtschaftsinteressen vorangetrieben oder zumindest gebilligt, die Opfer seien nur Frauen. Ebenso verbreitet ist die Auffassung, dass die Hexenverfolgung im "finsteren Mittelalter" stattgefunden habe und fast 9 Millionen Menschen dadurch zu Tode gekommen seien.

 

Theresa Mohr hob dagegen hervor, dass es keine monokausale Erklärung geben könne. Richtig sei, dass vielerorts Vertreter der Kirchen und Landesherren einen bedeutenden Anteil an den Hexenprozessen gehabt hätten. Allerdings gebe es auch deutliche Gegenbeispiele, wo Kirchenvertreter und Landesherren einer Verfolgung widerstanden hätten. Dabei seien häufig auch wirtschaftliche Interessen im Spiel gewesen, allerdings gebe es auch viele Beispiele, an denen deutlich werde, dass die Betreiber der Hexenverfolgung sogar wirtschaftliche Nachteile in Kauf nahmen.

 

Die alleinige Schuld für die Hexenverfolgung habe nicht bei der Kirche gelegen, so Mohr. Die europäische Hexenverfolgung habe zwar aus einem Bündel verschiedenster Faktoren resultiert. Die Kirche habe jedoch eine nicht unwesentliche Rolle gespielt: So seien es Theologen gewesen, die das "Hexereiverbrechen" sozusagen wissenschaftlich aufarbeiteten und so Volksmagie in einen religiösen Kontext einbetteten. Gerade die Idee einer "Hexensekte" sei mit Sicherheit sehr entscheidend für das Ausmaß der europäischen Hexenverfolgung gewesen und gehe auf kirchliche Vertreter zurück.


Man dürfe aber nicht vergessen, dass auch Theologen Kritik an den Hexenverfolgungen übten (z.B. Alonso de Salazar Frías oder Friedrich Spee).

Magie sei schon lange vor den Hexenprozessen verfolgt worden. So sei schon in der Antike Schadenszauber bestraft worden. Neu war in der Frühen Neuzeit allerdings, dass man aus Magie eine Art "Superverbrechen" machte, das angeblich von unzähligen Menschen ausgeübt wurde, was in der Konsequenz eine harte Verfolgung nach sich zog.

 

Wichtig sei, so Theresa Mohr, die damalige Zeit nicht mit heutigen Auffassungen zu beurteilen. Das Wissen und Denken der Menschen in der beginnenden Neuzeit (1450-1750) habe sich grundlegend von unserem unterschieden. Eine anachronistische Betrachtung helfe nicht weiter. Da in Gesellschaft und Wissenschaft der damaligen Zeit praktisch unbestritten war, dass es Magie und Hexerei gab, sei die Gefühlslage der damaligen Bevölkerung auch stark von der Furcht davor geprägt gewesen. Äußere Umstände wie die "kleine Eiszeit", Kriege, Krankheiten und Hungernöte führten ebenfalls dazu, dass man Schuldige gesucht habe. Die Erfindung der Buchpresse mit der Möglichkeit, Meinungen und Informationen in kurzer Zeit große Teile der Bevölkerung zu erreichen, habe auch einen wesentlichen Anteil daran gehabt, dass die Hexenverfolgung ein solches Ausmaß erreicht habe. Europaweit seien nach neuesten Erkenntnissen der Forschung 60.000 Menschen in der Katastrophe der Hexenverfolgung getötet worden. 

 

Bis heute gebe es Hexenverfolgung, so Pfarrer Markus Eisele. So sei zum Beispiel erst jüngst ein Mensch in Saudi-Arabien wegen Hexerei zum Tode verurteilt worden. Zu erkennen, was dazu führe, dass Menschen Mitmenschen verfolgen, das sei das Ziel der Veranstaltungsreihe. Als Kirchengemeinde wolle man sich der Schuld der Kirche stellen und zugleich Verantwortung übernehmen, damit Menschen nicht wegen ihres Denkens, Lebens, ihrer Weltanschauung oder ihres Glaubens verfolgt werden.

Gedenktafel für Cäcilie Zeitlose Wicht ist nicht genug

Hexenflug der „Vaudoises“ (hier Hexen, ursprünglich Waldenser) auf dem Besen, Miniatur in einer Handschrift von Martin Le France, Le champion des dames, 1451.
Hexenflug der „Vaudoises“ (hier Hexen, ursprünglich Waldenser) auf dem Besen, Miniatur in einer Handschrift von Martin Le France, Le champion des dames, 1451.

Idsteiner Zeitung - 21.09.2011 - HEFTRICH - Pfarrer Markus Eisele will dunkle Geschichte aufarbeiten

 

 

Cäcilie Zeitlose Wicht, Pfarrfrau von Heftrich, wurde am 22. März 1676 am Ende eines der spektakulärsten Hexenprozesse in Idstein hingerichtet. Insgesamt 39 Menschen wurden in diesem Jahr Opfer der Verfolgung in Idstein. Die evangelische Kirchengemeinde in Heftrich will sich in den kommenden Jahren intensiv mit der Geschichte von Cäcilie Zeitlose Wicht beschäftigen. Pfarrer Markus Eisele würde sich sehr freuen, wenn möglichst viele Menschen dieses Projekt begleiten würden.

 

Droht das Schicksal dieser Pfarrfrau in Vergessenheit zu geraten?

 

Nein, ihre Geschichte ist im Wissen der Heftricher Bevölkerung verankert. Aber wir wollen dieses Wissen vertiefen und in den weiteren historischen und aktuellen Zusammenhang stellen, um daraus für heute zu lernen. Denkbar ist, dass am Ende der Beschäftigung - wie zurzeit an vielen Orten in Deutschland - eine sozialethische Rehabilitation als ein deutliches Zeichen stehen könnte.

 

Wie kam es zu diesem Projekt?

 

Vor einiger Zeit hat sich der Kirchenvorstand entschlossen, Schilder mit kurzen historischen Informationen an der Heftricher Kirche und am Pfarrhaus anzubringen. In diesem Zusammenhang soll auch die Geschichte der Cäcilie Zeitlose Wicht nicht verschwiegen werden. Im Gespräch wurde aber deutlich, dass eine bloße Gedenktafel zu einfach und oberflächlich wäre.

 

Es geht also um Aufarbeitung und Verantwortung?

 

Ja, denn auch in Heftrich und Idstein wurde Unrechtsgeschichte geschrieben und die christliche Gemeinde und die Gemeindepfarrer hatten damals einen signifikanten Anteil daran. Der Verantwortung, dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte aufzuarbeiten, wollen wir uns stellen. Als christliche Gemeinde sollen und wollen wir Gottes Gegenwart bezeugen, Menschen in die Nachfolge Jesu rufen und von Gottes Reich künden. Das kann jedoch nur gelingen, wenn Reden und Handeln glaubwürdig sind. Nach unserem Verständnis bedeutet das, dass wir uns auch mit den Fehlern der christlichen Kirche in der Vergangenheit auseinandersetzen.

 

Das ganze Gespräch nachlesen auf den Seiten der Idsteiner Zeitung

Vortrag von Andreas Schmitt zur Pfarrfrau von Heftrich

Über die Hintergründe und Umstände der Hexenverfolgung im Idsteiner Land am Beispiel der Pfarrfrau von Heftrich referierte Andreas Schmitt am Buß- und Bettag im Gemeindehaus Heftrich.

 

Cäcilie Zeitlose Wicht, Pfarrfrau von Heftrich, wurde am 22. März 1676 am Ende eines der auffälligsten Hexenprozesse in Idstein hingerichtet. Insgesamt 39 Menschen wurden im Jahr 1676 Opfer der Verfolgung in Idstein.

 

Als Kirchengemeinde wollen wir uns in den nächsten Jahren intensiv mit dieser Geschichte auseinandersetzen und laden Sie und alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, die Vereine und den Ortsbeirat Heftrich, sowie die politischen Vertreter in der Stadt Idstein ein, dieses Projekt zu begleiten. Die Geschichte der Pfarrfrau von Heftrich ist im Wissen der Heftricher Bevölkerung verankert. Dieses Wissen wollen wir vertiefen und in den weiteren historischen und aktuellen Zusammenhang stellen, um daraus für heute zu lernen. Denkbar ist, dass am Ende der Beschäftigung – wie zurzeit an vielen Orten in Deutschland - eine Rehabilitation als ein deut-liches Zeichen stehen könnte.

Weitere Informationsquellen zum Thema