Mit Kindern trauern

Die Krankenhauspfarrerin Gertraude Kühnle-Hahn schreibt:

 

"In meiner Tätigkeit als erlebe ich das immer wieder: Da stirbt eine Großmutter oder Großvater oder gar ein Elternteil und die Erwachsenen fragen ratlos: Was machen wir mit den Kindern? Was sagen wir ihnen? Wie sagen wir es ihnen? Nicht selten neigen die großen Leute, beschäftigt mit ihrer eigenen Trauer und ihren eigenen Fragen, dazu, die kleinen Leute zu verschonen und sie von all den schmerzlichen Vorgängen fernzuhalten. Dies aber bedeutet auch, sie auszuschließen und sie mit ihren eigenen Empfindungen sich selbst zu überlassen."

 

Wie aber können wir mit Kindern trauern?

 

Roland Kachler hat "Zehn Erlaubnisse für Kinder, die trauern" aufgeschrieben.

 

  1. Du darfst so traurig sein, wie dir zumute ist. Manchmal ist das Gefühl, traurig zu sein, ganz stark, manchmal weniger stark. Auf jeden Fall ist deine Trauer ein ganz normales Gefühl.
  2. Du darfst in deinem Schmerz weinen, schluchzen, schreien, stöhnen oder seufzen! Du darfst aber auch leise und still traurig sein. Oft tut es gut, die Trauer auszudrücken. Manchmal ist es aber auch gut, still für sich zu trauern. Du brauchst dich für nichts beim Trauern schämen.
  3. Du darfst dich auch zurückziehen und dich verkriechen. Deshalb darfst du auch schweigen und nichts sagen.
  4. Du darfst Angst haben. Oft haben wir Angst, dass wir noch einen anderen wichtigen Menschen verlieren können. Es tut dann gut, von dieser Angst zu erzählen. Sie werden dich nicht auslachen. Sie werden dich an sich drücken und dich festhalten.
  5. Du darfst auch richtig wütend sein. Auch Wut gehört zur Trauer. Du merkst dann, dass es noch andere Gefühle als das Traurigsein gibt.
  6. Du darfst den verstorbenen Menschen weiter lieben. Deshalb darfst du mit ihm reden, du darfst dich ihm nahe fühlen und dich immer wieder an ihn erinnern.
  7. Du darfst dir auf deine Weise vorstellen, wo der Verstorbene jetzt ist und wie er für dich weiterlebt. Wichtig ist allein, dass deine Ideen für dich stimmen und dass sie dir helfen, mit dem Tod zurechtzukommen.
  8. Du darfst mit anderen, am besten mit deinen Eltern, Freunden, deinen Lehrerinnen und Lehrern oder deiner Pfarrerin oder deinem Pfarrer alles bereden. du kannst alles fragen und alles sagen! Alle Gefühle und Fragen sind richtig.
  9. Du darfst alle Dinge wieder tun, die du auch vor dem Tod des Angehörigen gemacht hast. Du darfst also wieder ganz normal leben, in die Schule gehen, mit deinen Freundinnen und Freunden etwas unternehmen und deinen Hobbys nachgehen.
  10. Du darfst auch wieder lachen, wenn dir danach ist. Du darfst dich wieder am Leben freuen, fröhlich sein und Blödsinn machen. Wenn du da unsicher bist, kannst du dich fragen, was der Verstorbene dir wünschen würde. Er würde dir wünschen, dass du fröhlich wirst, wenn du es wieder möchtest.

Buch-Tipps

Abschied von Rune

 

Eine Geschichte von Marit Kaldhol. Mit Bildern von Wenche Oyen. 12. Aufl. Hamburg: Ellermann 1999.

ISBN: 3-7707-6272-x Preis: 12,00 Euro

 

„Abschied von Rune“ ist ein Bilderbuch über den Tod. Und zwar über den Tod eines Kindes. Runes Tod. Rune ist der beste Freund von Sara. Die beiden wohnen ganz nah beieinander in einem kleinen Dorf. Täglich spielen sie zusammen. Doch dann ertrinkt Rune im See. Ein hochsensibles Thema, das im Buch geradeheraus dargestellt wird. Aber Sara erfährt auch, dass Rune trotzdem nicht ganz fort ist, da sie sich an ihn erinnern kann. Mit großer Stärke macht dieses Buches deutlich, dass Kinder den Tod als Teil des Lebens akzeptieren und annehmen können, wenn sie Raum für ihre Trauer bekommen. Ein mutiges Buch, das zuerst von Erwachsenen selbst gelesen werden sollte, bevor es mit Kindern „geteilt“ wird. Das Besondere des Buches sind die expressiven Aquarellzeichnungen. Sie zeigen uns die Riten, die den Tod einen Menschen begleiten, die Trauernden zusammenführen, und heben ebenso die Einmaligkeit des individuellen Lebens und Sterbens hervor. Kinder, die einen ihnen nahestehenden Menschen frühzeitig und unerwartet verloren haben, können hier ihre Gedanken wiederfinden und darüber sprechen lernen. Ab 4 Jahren.

 

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis (Bilderbuch) 1988.

 

 

Varley, Susan: Leb wohl, lieber Dachs

 

Wien: Annette Betz Verl. 1996.

ISBN: 3-219-10283-2 Preis: 12,95 Euro

 

Der alte Dachs ahnt, dass er bald sterben wird. Er fürchtet sich nicht davor, denn seine Vorstellung vom Tod ist klar: er wird seinen alten und schwachen Körper zurückgelassen und durch einen langen Tunnel gehen. Für seine Freunde hofft er, dass sie nicht zu traurig werden. An seine letzten Lebensabend schreibt er ihnen einen Abschiedsbrief, schläft friedlich ein und fällt in seinen Traum vom "Langen Tunnel" .

Alle Tiere sind tief betrübt über den Tod des Dachses. Einen ganzen Winter lang trauern die Tiere, im Frühling besuchen sie sich und erzählen gemeinsam erlebte Geschichten mit dem Dachs. Diese Erinnerungen vertreiben die Traurigkeit und sie zeigen , was ihnen der Dachs an Kenntnissen und Erfahrungen vermittelt hat.

 

Der Tod des alten Dachs wird sanft und ohne Angst beschrieben. Nach einem erfüllten Leben spürt er seinen baldigen Tod, nimmt Abschied von seinem bisherigen Leben und bereitet sich auf den neuen Abschnitt vor. Dieses idealisierte Sterben ist für Kinder annehmbar und wirkt entlastend, wenn sie sich z.B. mit dem Tod von Großeltern auseinandersetzen müssen.

 

 

Wie ist das mit ... der Trauer

 

Roland Kachler, ISBN 978-3-522-30116-9, Preis: 11,90 €
Gabriel Verlag (Thienemann Verlag GmbH), Stuttgart/Wien

 

Wenn jemand stirbt, den du sehr lieb hast, bist du traurig. Am liebsten würdest du weinen oder dich verkriechen, vielleicht bist du auch wütend. Den Kindern in den Geschichten geht es ganz ähnlich:

Tim kann nicht glauben, dass sein Opa nie mehr mit ihm Fußball spiele wird, Luisa fühlt sich auf der Beerdigung ihrer Tante ganz seltsam, Benni weiß nicht, wie er es ohne seinen Vater aushalten soll, und Maxi fragt sich, ob sie ihren Bruder jemals wiedersehen wird.

 

* Mit Geschichten zu unterschiedlichen Trauersituatioen

* Mit Sacherklärungen und Antworten auf schwierige Fragen

* Mit Vorschlägen, wie Kinder mit ihrer Trauer umgehen können

* Mit einem Extrakapitel für die Eltern

 

Rezension von Gertraude Kühnle-Hahn

Wo die Toten zu Hause sind.

 

Mit einem pädagogischen Anhang "Wie mit Kindern über den Tod reden?". Christine Hubka (Text). Nina Hammerle (Bild). Innsbruck: Tyrolia 2004. o.Pag.: überw. Ill. ; 28 cm

ISBN: 3-7022-2512-9

Preis: 13,90 Euro

 

Das Zuhause der Toten ist das Haus Gottes mit vielen Wohnungen (Joh. 14, 2-3). Dort erfahren sie Gottes Liebe und Hilfe und feiern am Ende ein großes Fest. Diese biblische Verheißung ist der Ausgangspunkt dieses kraftvollen und trostspendenden Buches. Wohin gehen die Toten? Was passiert nach dem Sterben? Dieses Buch erzählt von Gottes Verheißungen und was uns Jesus über das Leben nach dem Tod und unsere Zukunft bei Gott berichtet hat. Die witzigen Illustrationen von Nina Hammerle verleihen dem ernsten Thema poetische Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Im Anhang erhalten Eltern und Erzieher/innen einfühlsame Tipps, wie sie Kinder auf dem Weg der Trauer begleiten können. Für (betroffene) Menschen, die sich auf biblische Bilder einlassen und für Kinder ab 4 Jahren. Charmant, hinreißend, einfühlsam und ermutigend sind die Bilder ebenso wie der knappe Text. Absolut empfehlenswert!

 

Ulf Nilsson, Die besten Beerdigungen der Welt

 

Ulf Nilsson, Die besten Beerdigungen der Welt. Übersetzt von Ole Könnecke. Mit Illustrationen von Eva Eriksson.7. Auflage 2007.

ISBN: 978-3-89565-174-8

 

Ester, Putte und "ich" gründen an einem langweiligen Tag ein Beerdigungsinstitut. Für alle toten Tiere, die sonst keiner beachtet, wollen sie die besten Beerdigungen der Welt ausrichten!

 

Mit einer toten Hummel fängt alles an. Ester will sie begraben. Auf einer Lichtung, zu der nur der geheime Pfad der Kinder führt. Ester ist fürs Schaufeln zuständig, "ich" für ein Gedicht am Grab und der kleine Putte soll dazu weinen. Aber eine Beerdigung ist natürlich nicht genug. Jetzt werden noch mehr tote Tiere gebraucht. Ester greift zum Telefon . Ulf Nilssons Geschichte über dieses ganz ernsthafte Spiel zu Leben und Tod ist so präzise wie humorvoll. Jeder wird sich darin selbst entdecken und dabei unsentimental an den befreienden Umgang mit dem Tod zu Kinderzeiten erinnert. Auf wunderbar subtile Weise vervollständigen Eva Erikssons atmosphärische Bilder dabei die Geschichte.

 

 

Themenhefte des "Evangelischen Literaturportals" (www.eliport.de)

Bilderbücher über Abschied, Trauer und Tod 2005

Sterben und Tod sind längst keine Tabuthemen in der Kinder- und Jugendliteratur mehr. Im Gegenteil: weit über vierzig Titel hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe im DVEB gesichtet. Ausgewählt wurden 21 Bücher, die Geschichten über den Tod eines Haustieres, vom Sterben der Großeltern oder gar dem Tod eines Kindes erzählen. Ausführliche Angaben zum Inhalt, zum thematischen Schwerpunkt, zu den Zielgruppen und Anregungen zum Einsatz des Buches erschließen die Titel und wollen zur Arbeit mit ihnen ermuntern. Das vierfarbig bebilderte Heft wendet sich an alle, die in Kindertagesstätte und Familie, in Gemeinde und Gottesdienst, in Therapie und Beratung, in Bibliothek und Schule mit Kindern zum Thema Tod ins Gespräch kommen wollen.

 

Das Themenheft "Tod - was ist das - Bilderbücher"

"Vom Weinen kriegt man Durst" - Sterben und Tod im Kinderbuch

 

Nach dem Erfolg der Bilderbuchempfehlungen zum Thema stellte die DVEB-Arbeitsgruppe 2002 ein Heft mit 17 empfehlenswerten Kinderbüchern für die Altersgruppe der 6-12-jährigen zusammen. Bei gleich bleibend hohen Anforderungen an die Qualität haben wir Bücher zum Tod von Großeltern, Freunden, Geschwistern und Eltern und ein Sachbuch aufgenommen.
Da das Heft nicht mehr lieferbar ist, finden Sie im Folgenden die komplette Titelaufstellung mit Besprechungstexten und Angaben zur Zielgruppe und zu den Einsatzmöglichkeiten. Die lieferbaren Bücher können bequem per Mausklick bestellt werden.

 

Das Themenheft "Sterben und Tod im Kinderbuch"